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Lesetipp

Kristin Cashore - Die Beschenkte

Seine Augen! Nie hatte Katsa solche Augen gesehen. Eins war silbern, das andere golden. Sie leuchteten ungleichmäßig und seltsam in seinem sonnengebräunten Gesicht. Katsa war überrascht, dass sie bei ihrer ersten Begegnung in der Dunkelheit nicht geleuchtet hatten. Katsa konnte nicht aufhören sie anzusehen.

Katsa ist eine Beschenkte. Mit zwei verschiedenen Augenfarben und der Gabe des Tötens gesegnet. Es wagen sich nicht viele in die Nähe der gefürchteten Kämpferin. Was nicht zuletzt die Schuld von König Randa ist, der ihre Gabe für seine eigenen Zwecke ausnutzt und somit ihren tödlichen Ruf heraufbeschwört.

Als Katsa Prinz Bo von Lienid trifft, ebenfalls ein Beschenkter, ist er einer der wenigen, der keine Angst vor ihr zu haben scheint. Ganz im Gegenteil. Mit großer Beharrlichkeit bleibt er in ihrer Nähe und baut langsam aber sicher eine Freundschaft zu ihr auf, die sich mit der Zeit zu mehr entwickeln zu scheint. Als Katsa und Bo dann auch noch auf die Jagd nach dem Entführer von Bos Großvater gehen und anscheinend die einzigen sind, die gegen den Schuldigen etwas ausrichten können, werden sie immer tiefer in den Strudel von Lügen und unglaublichen Gaben gezogen und dürfen sich selbst und vor allem die Wahrheit nicht aus den Augen verlieren.

Die Beschenkte von Kristin Cashore ist mit Sicherheit einiges, aber definitiv nicht vorhersehbar. Ihr Erstlingswerk besticht durch seine neue, unverbrauchte Story, die schon beim Lesen des Klappentextes ein Kribbeln in den Fingern beschert.

Anders als bei anderen Romanen steigt Kristin Cashore direkt in das Geschehen ein und erzählt nicht erst lange herum, bevor die eigentlich Geschichte beginnt. Mit viel Liebe zur Geschichte und zum Detail wird hier eine Welt während dem Lesen nach und nach aufgebaut, aus der man kaum noch entfliehen kann und will.

Die Autorin schafft es dabei, sich kaum eines Klischees zu bedienen und ihren Charakteren schon fast einen eigenen Willen zu geben. Dieser Wille bewahrt das Buch davor, in eine Vorhersehbarkeit zu rutschen, die diese unglaublich geniale Welt bereits nach den ersten Kapiteln langweilig gemacht hätte. Sie versteht es, Wendungen einzubauen, die einem das Herz schwer machen, um es zehn Seiten später wieder durch die nächste unglaubliche Wendung zu toppen.

Der einzige Minuspunkt ist die Tatsache, dass man trotz der abgedruckten Karte aller Ländergrenzen und Reiche mit Namen nahezu überschüttet wird und das leicht überfordernd wirken kann.

Die perfekte Mischung aus frischem Fantasy-Wind, Unvorhersehbarkeit, liebevollen Details und klischeefreien Wendungen macht Die Beschenkte perfekt, um es im Bett eingewickelt in eine warme Decke und mit einem Kakao in der Hand zu verschlingen.

Das Buch bringt einen frischen Wind in jedes fantasylastige Bücherregal und darf definitiv in keiner Sammlung und auf keinem Wunschzettel für dieses Weihnachten fehlen.

von Charlie

Die Autorin

Kristin Cashore, die zweite von vier Töchtern, wuchs in einer Kleinstadt in Pennsylvania auf. Umgeben von Scheunen, Kühen und Hügeln hatte sie damals nur eins im Kopf: lesen, lesen und lesen.
Sie selbst sagt, die einzigen Orte, an denen sie nicht gelesen hat, waren das Auto und ihr Bett. Selbst beim Zähneputzen und Petersilie schneiden hat sie gelesen.

Sie studierte am Center for the Study of Children’s Literature in Boston und zog danach mehrmals durch die halbe Welt, sogar nach London und Italien, bevor sie nun nach Cambridge, Massachusetts gezogen ist.

http://kristincashore.blogspot.com/

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